[BLOG] 40.000 Menschen gegen die AfD in Köln

Es ist Samstagmorgen, 5 Uhr. Der Wecker klingelt. Ich stehe auf, mache mich fertig, packe mein Zeug zusammen und laufe zur Straßenbahn. Meine Straßenbahn kommt, ich steige ein und fahre in Richtung Ebertplatz, wo sich gegen 7 Uhr Gegner*innen des AfD-Bundesparteitages treffen, um einen Sternmarsch mit anschließenden Blockaden anzugehen. Seit Wochen haben mehrere Bündnisse nach Köln mobilisiert, wo an diesem Wochenende der AfD-Bundesparteitag stattfinden soll. Nur ein Bündnis hat dazu mobilisiert, dieses Treffen von Rassist*innen zu verhindern. Es ist das Bündnis „Solidarität statt Hetze“, bestehend aus über 60 linken Gruppen und Organisationen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Wie bereits erwähnt, sollen um 7 Uhr verschiedene Demonstrationen aus allen Himmelsrichtungen zum Kölner Maritim Hotel am Heumarkt starten, um effektiv blockieren zu können.

Als ich eine Stunde zu früh am Ebertplatz ankomme, sehe ich mehrere Wannen und einige Cops, die intensiv damit beschäftigt sind, Pläne zu lesen. Im Minutentakt fahren große Fahrzeug-Kolonnen der Cops vorbei. 4.000 Bullen müssen sich halt irgendwie in der Stadt verteilen.

Die Zeit vergeht schnell und bis 7:20 Uhr haben sich ca. 300-400 Leute versammelt. Über ein Megaphon werden die Auflagen verlesen, auch gibt es die Info, dass es um 8 Uhr losgehen soll. Wenige Minuten später dann: Hektik. Es geht als Sponti früher los.

Durch teilweise sehr enge Straßen rennt die Sponti in Richtung Konrad-Adenauer-Ufer. Vor der Hohenzollernbrücke, die neben dem bekannten „Musical Dome“ liegt, wird die Sponti von mindestens einer behelmten Hundertschaft unter Gewaltandrohung gestoppt. Über ein Megaphon wird allen mitgeteilt, dass der Blockadepunkt erreicht worden sei und dass die Gruppe jetzt erst einmal dort bleibt.

Circa 10 Minuten später nähert sich über das Konrad-Adenauer-Ufer eine weitere Sponti mit noch einmal ungefähr 500 Personen. Diese Gruppe wird mit Jubel und Parolen wie „Nationalismus raus aus den Köpfen“ begrüßt.

Jetzt stehen ca. 800 Menschen vor der Hohenzollernbrücke und rufen Parolen. Die Stimmung ist gut. Eine Samba-Gruppe ist auch dabei und unterhält jetzt die Blockade mit rhythmischer Trommel-Musik.

Immer wieder wollen AfDler*innen durch die Blockade, scheitern daran jedoch kläglich. Nur mit mehreren brutalen Knüppel-Einlagen der Cops kommen die AfDler*innen durch. Es gibt mehrere verletzte Demonstrant*Innen. Mindestens eine*r muss zur Behandlung ins Krankenhaus.

Einige Zeit vergeht und immer mehr Menschen verlassen die Blockade. Wahrscheinlich weil sie denken, dass sie woanders sinnvoller untergebracht wären. Klar, irgendwann macht es keinen Spaß mehr, mitten auf der Straße zu stehen und dem Regen ausgesetzt zu sein. Trotzdem ist diese Aktion mehr als kritikwürdig. Hätten die Cops die Blockade räumen wollen, hätten sie das mit nur wenig Kräften tun können.

Die Zeit vergeht und es folgen mehrere Absprachen, wie es jetzt weitergehen soll.

Wahrscheinlich ist es gegen 11 Uhr, als durch ein Megaphon mitgeteilt wird, dass sich die Blockade „demnächst“ auflösen wird und das mensch geschlossen zur angemeldeten Kundgebung mit anschließender Demo zum Heumarkt laufen will.

Wenige Minuten später gibt es dann viel Bewegung: Ein Fronttranspi und mehrere Seitentranspis stellen sich auf und ziehen durch das Bahnhofsgebiet am Dom in Richtung Heumarkt. Diese Spontandemonstration zählt mit Sicherheit 1.000+ Menschen.

Unter großem Jubel erreicht die Sponti den Heumarkt, auf dem sich die angemeldete Großdemonstration von „Solidarität statt Hetze“ bereits aufgestellt hat. Nach kurzer Orientierungszeit zieht dann der Demonstrationszug los. Am auffälligsten ist wahrscheinlich der Block des Bündnisses „Nationalismus ist keine Alternative“. Dieser wird fast durchgängig von einem Kamera-Wagen der Cops und einer BFE aus Niedersachen begleitet. Dennoch bleibt es friedlich.

Während der Zwischenkundgebung wird über den Lautsprecherwagen mitgeteilt, dass die Veranstalter*innen die Demonstration auf 20.000 Teilnehmer*innen schätzen. Ich hatte mir ja gedacht, dass viele Menschen kommen würden, aber 20.000 Menschen auf einer Demonstration von einem nicht-bürgerlichen Bündnis hatte ich nicht erwartet.

Die Demo zieht in einem großen Kreis durch das Kölner Innenstadtgebiet und wird vor dem Kölner Dom von der Polizei gestoppt. Grund dafür ist augenscheinlich das Zünden von Pyrotechnik.

Vor dem Lautsprecherwagen haben mehrere Wannen geparkt, um die Weiterfahrt zu verhindern. Über diesen Lautsprecherwagen teilen die Veranstalter*innen mit, dass die Polizei die Demonstrant*innen nicht auf den Heumarkt lassen, weil dieser noch nicht begehbar sei. Dieser ist immer noch voller Menschen.

Nach einer Wartezeit von ca. 40 Minuten darf die Demonstration dann weiterlaufen. Sie passiert den Dom und den Hauptbahnhof und zieht langsam zum Heumarkt, wo die Demonstration auch gestartet war.

Es dauert bestimmt mehr als 30 Minuten, bis nach dem Fronttransparent auch das Ende der Demo in Sicht kommt.

Auf dem Heumarkt gibt es dann noch einmal kurze Redebeiträge, die dauerhaft durch Menschen der Kleinspartei „MLPD“ gestört werden.

Die Veranstalter*innen bedanken sich bei den Demonstrant*innen für dieses deutliche Zeichen und wünschen allen noch eine gute Heimreise. Vor allem die Menschen, die von außerhalb angereist sind, machen sich dann bald auf den Weg, um die Heimreise anzutreten. Beispielsweise haben die Menschen aus Berlin eine 9-stündige Fahrt vor sich.

 

Alles in allem blieb der Tag friedlich. Die einzige Partei, von der Gewalt ausging, war die Polizei. Durch überzogene Knüppel-Einsätze, um AfDler*innen die Anreise zu ihrem Bundesparteitag zu gewähren, gab es mehrere Verletzte. Die Polizei teilt später mit, dass ungefähr 100 Menschen in Gewahrsam genommen wurden. Bei mehreren Festnahmen, die ich beobachtet habe, gab es für diese keine ersichtlichen Gründe.

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